‚Silberblick‘ von Bernd Schirmer

Also worum gehts? Es geht darum, dass meine Buchhändlerin mir sehr viel Freude, sehr viel geradlinige Lesefreude wünschte. Genau das ist es – eine geradlinige Lesefreude durch das Leben dreier Freunde. Es geht darum, seinen Weg zu finden. Birnbaum und Schlotheim kennen sich seit Kindertagen. Clausberger ist ihr Zimmergenosse im Wohnheim. Im Wohnheim der Karl-Marx-Universität, [...]

‚Gegenlauschangriff‘ von Christoph Hein

Auf dem Klappentext steht, es sei Christoph Heins persönlichstes Buch. In der Tat. Denn wer keine Biografie schreibt, schreibt Anekdoten aus dem Leben – Anekdoten aus Heins bewegtem Leben. Nicht nur weil Hein der deutsch-deutsche Geschichtenerzähler ist. Ein Intellektueller ohne Allüren, aber mit großem Gedächtnis und scharfem Verstand. Man hat den Eindruck, er hat etwas [...]

‚Die Schwärmer‘ von Willi Hetze

Teo ist im besten Sinne, was man einen guten Jungen nennt. Er hat Sinn für seine Mitmenschen, Interesse an seinen Freunden – viele gibt es nicht –, an seiner Familie. Teo ist natur- und heimatverbunden. Sehr sogar! Teo wächst in einer nicht näher benannten Provinz auf. Einem Landstrich zwischen Bergen, Wäldern und Sümpfen, durchzogen von [...]

‚april‘ von Angelika Klüssendorf

April ist ein Mädchen, das sucht. Eine Frau die all jenes sucht, was für andere selbstverständlich ist: Gewissheit, bedingungslose Liebe, Antrieb, Stolz, Mut, nicht Selbstzerstörung und Ziellosigkeit. April wächst als Kind in Westsachsen auf, erlebt wenig Gutes, kommt später ins Heim und die Psychiatrie. Mit ihrer Volljährigkeit wird ihr ein Zimmer in Leipzig bei einer [...]

Achtung, Theater! – ‚Die stillen Trabanten‘ von Clemens Meyer im Deutschen Theater

Sie durchziehen Landschaften, Städte und Vorstädte, Wälder und Felder und immer weiter und weiter. Vorbei an der alten Grenze, wo er seine 261 mit gut 100 in die lang geschwungene Kurve steuert – bis zum Aufprall. Bis er die Zugbremse zieht, die automatisch alle anderen, auch die E-Bremse auslöst. Wie viele Achsen hat er hinter [...]

‚Der neunzigste Geburtstag‘ von Günter de Bruyn

Wittenhagen, ein verschlafenes Nest (n)irgendwo in Brandenburg. Mit Anger, altem Gutshof, einer Dorfkirche und ohne junge Menschen. Es ist ein Dorf, wie man sich ein Dorf vorstellt. Wo vieles, über alle Zeiten hinweg, gleich blieb. Fortschritt wird zwar begrüßt, ist vielen aber auch unheimlich. Der Möchtegern-Dorfälteste sieht es so. Seit eh und je ist Leonhard [...]

‚Nenn mich November‘ von Kathrin Gerlof

"An einige Bäume hat er kleine rote Fäden gebunden (...) Die alten verlassenen Bahnstrecken bekommen noch einmal ihr Signalsystem. Und alles steht auf Halt" (S. 291).  Auf Halt standen nicht nur die Signale im Leben der Lindenblatts, sondern auch die Signale im Dorf. Einem Dorf inmitten endloser Maisfelder, das wüst geht, wüst gehen wird, sollten die [...]

‚Mit der Faust in die Welt schlagen‘ von Lukas Rietzschel

Sicherheit nach Innen und Außen ist die erste Aufgabe von Staatlichkeit. Moderne Demokratien gelten durch den Sozialstaat als legitim. Ideologien sind politische Weltanschauungen, deren Umsetzung empirische Folgen haben, ganz gleich wie irrational deren Grundannahmen sind. Jede Ideologie erfüllt dabei die Aufgabe, Kontingenz zu bewältigen. Was mit diesen politikwissenschaftlichen Lehrsätzen gemeint ist, insbesondere wenn sie in der Wahrnehmung [...]