‚Sanierungsgebiete‘ von Enno Stahl

Sich dem Prenzlauer Berg zuzuwenden, ist ein wunderbares Anliegen. Das Sanierungsgebiet Kollwitzplatz, begrenzt von Tor- und Danziger Straße, Schönhauser und Prenzlauer Allee, ist das wohl seltenst besprochene Wohnquartier überhaupt. Folgerichtig schreibt Enno Stahl über eben diesen Kiez eine große Geschichte: Vier Protagonist*innen, die sich kennen, schätzen – mehr oder weniger –, Pläne schmieden, manche verwerfen, [...]

‚Stern 111‘ von Lutz Seiler

„Weit vor der Einfahrt stoppte Carls Zug, begleitet von einem stählernen Stottern und Zucken, als hätte das Herz seiner Fahrt kurz vor dem Ziel plötzlich aufgehört zu schlagen [...] Aus irgendeinem Grund geschah es nicht selten, dass die Züge hier draußen, die Ankunft vor Augen, stehen blieben, für Minuten oder Stunden, es war wie eine [...]

‚Geboren am 13. August‘ von Jens Bisky

Geboren in einer Familie sozialistischer Bürgerlichkeit, Kulturbürgerlichkeit nach Leipziger Art. Nach Art der alten Messe- und Bücherstadt in gründerzeitlichen Altstadtvillen im Schatten der Karl-Marx-Universität. Was für eine Kindheit! Später dann hieß es Umzug. Umzug in die Hauptstadt der Republik. Umzug nach Ost-Berlin in eine Vorzeigewohnung über den Dächern von Marzahn. Sozialistische Provinz mit Jungenderfahrungen im [...]

Achtung, Theater! – ‚A Walk on the Dark Side‘ im Maxim-Gorki-Theater

Mit der Physik verhält es sich wie mit dem Theater: Hat man eine gute Sicht, lässt sich manches einfacher erkennen, einfacher nachvollziehen. Im besten Fall behält man den Überblick, wenn Dark Matter vom Nobelpreis schwadroniert und Papa Einstein für eine ziemlich hohle Nuss hält. Viel chilliger hingegen versteht Dark Energy so krassen Shit wie das [...]

Achtung, Theater! – ‚Glauben an die Möglichkeit der völligen Erneuerung der Welt‘ im Friedrichstadtpalast

Und weil es ein so wunderbarer, ein so breiter und so tiefer Abend war, ein Abend über das Zuhause und die Einsamkeit und die Möglichkeit, eine Straße entlangzugehen und es gelingt und auch weil dieser Abend 36 Meter breit war und 37 Meter tief und weil auf diesem Platz Erich Honecker saß, bin ich wirklich, [...]

‚Berlin – Biographie einer großen Stadt‘ von Jens Bisky

Spenerstraße, Schlüterstraße, Gotzkowskystraße, Memhardstraße – unbedeutende Haltestellen nach Männern benannt, die heute keiner mehr kennt. Vielleicht ist Schlüter noch gegenwärtig, weil die Bundesrepublik sein Schloss unter Humboldts Namen neu erbaut. Von Feuerland und Tante Voss, vom Vogtland bis nach Berlin W – darüber schreibt Jens Bisky. Es ist die Fortsetzung seiner Versuche als Feuilleton­redakteur "den [...]

‚Brüder‘ von Jackie Thomae

Und schon wieder ein Berlin-Roman. Ungezielt und planlos auf der Shortlist 2019. BAM BAM! Wer bam bam nicht amerikanisch, sondern so spricht, wie Fred und die Familie Feuerstein, bekommt die ostdeutsche Version von upcoming Berlin im Nebeldunst der 90er. Diese Story läuft schwarz auf weiß gedruckt bei Jackie Thomae und ihren Brüdern in eisenrotem Einband, [...]

‚Alles richtig gemacht‘ von Gregor Sander

Die Drogerie Piepenburg ist nicht nur Goldgrube, sondern Institution. Betrieben von Großvater Piepenburg und Papa Piepenburg, soll Thomas Piepenburg, einziger Spross der Familie, die Drogerie selbstverständlich übernehmen. Die Drogerie Piepenburg samt Haus und Familie ist ein Überbleibsel hanseatischer Bürgerlichkeit. Die Herderstraße zwischen Hauptbahnhof und Altstadt – weit weg von Lütten Klein und Groß Klein und [...]

‚Zur Wildnis‘ von Helmut Krausser

An dieser Stelle möchte ich einem Denkmal ein Denkmal setzen. Was großartig ist, muss gewürdigt werden. Helmut Krausser würdigt ausführlich. Mit 45 Kurzen aus Berlin rühmt er seine Eckkneipe und wirft nonchalant die Frage auf, ob eine Eckkneipe auch zwischen den Ecken eine Eckkneipe sei. Die Antwort bleibt Krausser schuldig. Was durchaus verständlich scheint bei [...]