Liebe Leserschaft! Alle Jahre wieder – es ist soweit. Weihnachten steht vor der Tür. Gerne komme ich dem Wunsch nach, einen besinnlichen Weihnachtsroman vorzustellen. Was gibt es Schöneres, als leuchtende Kinderaugen vor dem Christbaum zu sehen? Diese rhetorische Frage stellt sich auch Enid Lambert. Enid ist Alfreds Ehefrau und Mutter ihrer gemeinsamen drei (erwachsenen) Kinder [...]
‚Der Apfelbaum‘ von Christian Berkel
Interrail, bevor es Interrail gab: Friedenau, Kreuzberg, wieder Friedenau, Madrid, Paris, Gurs, Leipzig, Trizonesien, Buenos Aires, West-Berlin. Wenig stringent die Route, was unter diesen Umständen nicht verwundert. Sala, die unfreiwillig Rastlose – so könnte ihr Spitzname lauten. Sala, die Heimatlose, die Getriebene ihrer Herkunft wegen. Und dabei schien an jenem Nachmittag vieles unter einem guten [...]
Achtung, Theater! – ‚Die stillen Trabanten‘ von Clemens Meyer im Deutschen Theater
Sie durchziehen Landschaften, Städte und Vorstädte, Wälder und Felder und immer weiter und weiter. Vorbei an der alten Grenze, wo er seine 261 mit gut 100 in die lang geschwungene Kurve steuert – bis zum Aufprall. Bis er die Zugbremse zieht, die automatisch alle anderen, auch die E-Bremse auslöst. Wie viele Achsen hat er hinter [...]
Achtung, Theater! – ‚Publikumsbeschimpfung‘ im Deutschen Theater
Als Claus Peymann im vergangenen Jahr – endlich – zum Spielzeitende in den Ruhestand versetzt wurde, jubelte die Kulturhauptstadt Berlin. Als 1966 Peter Handkes 'Publikumsbeschimpfung' uraufgeführt wurde, jubelte das brodelnde Frankfurt. Denn: Sie sind das Thema! Wir sind das Thema, wie der Autor schreibt und sich selbst durch die Schauspieler sprechen lässt. Sie spielen nicht. [...]
‚Hör auf zu lügen‘ von Philippe Besson
1984 in der französischen Provinz. Philippe ist ein Schüler, den die Lehrer schätzen und seine Mitschüler meiden. Er steht im Abseits, ist wenig gesellig – Kinder können erbarmungslos sein und Philippe bekommt dies zu spüren. Er muss Sprüche erdulden, Andeutungen. Weil er schwul ist und es seit früher Jugend weiß. Er leugnet nicht, auch wenn [...]
‚Die 27ste Stadt‘ von Jonathan Franzen
Es ist das Braunschweig der Vereinigten Staaten. In Missouri an der Grenze zu Illinois gelegen erstreckt sich im Hinterland ein blühendes Idyll. Ein Idyll aus sich zerfasernden Vorstädten zwischen alten Indianerfriedhöfen und neuen Autobahnen. Es ist der amerikanische Traum vom segregierten Leben in den Suburbs, während die Städte zu kriminellen Steinwüsten für Arme veröden. Man [...]
‚Komm in den totgesagten Park und schau‘ von André Kubiczek
Holla, die Waldfee, ist das Böse böse. So unglaublich böse - mir fehlen die Worte. Vom Bösen-Bösen gar nicht zu sprechen. Alte Menschen würden sagen: Da bleibt dir die Spucke weg. Und dabei gehts nicht um Spucke oder Sie, liebe Leserinnen und Leser, oder mich oder Stefan George, sondern um uns alle. Um uns im [...]
‚Der neunzigste Geburtstag‘ von Günter de Bruyn
Wittenhagen, ein verschlafenes Nest (n)irgendwo in Brandenburg. Mit Anger, altem Gutshof, einer Dorfkirche und ohne junge Menschen. Es ist ein Dorf, wie man sich ein Dorf vorstellt. Wo vieles, über alle Zeiten hinweg, gleich blieb. Fortschritt wird zwar begrüßt, ist vielen aber auch unheimlich. Der Möchtegern-Dorfälteste sieht es so. Seit eh und je ist Leonhard [...]
‚Collin‘ von Stefan Heym
Ost-Berlin, Hauptstadt der DDR. Letzter Halt vor Bernau mit der S-Bahn. Weit draußen also, draußen im Wald und weit weg vom Trubel der Regierungs- und Parteigeschäfte. Prof. Gerlinger, Koryphäe auf den Gebieten Herz-Kreislauf und Psychosomatik, hat des Öfteren prominente Patienten. Patienten aus dem Majakowskiring, so wie Collin – eingeliefert wegen des Verdachts auf Herzinfarkt. Ebenfalls [...]