‚Die 27ste Stadt‘ von Jonathan Franzen

Es ist das Braunschweig der Vereinigten Staaten. In Missouri an der Grenze zu Illinois gelegen erstreckt sich im Hinterland ein blühendes Idyll. Ein Idyll aus sich zerfasernden Vorstädten zwischen alten Indianerfriedhöfen und neuen Autobahnen. Es ist der amerikanische Traum vom segregierten Leben in den Suburbs, während die Städte zu kriminellen Steinwüsten für Arme veröden. Man [...]

‚Komm in den totgesagten Park und schau‘ von André Kubiczek

Holla, die Waldfee, ist das Böse böse. So unglaublich böse - mir fehlen die Worte. Vom Bösen-Bösen gar nicht zu sprechen. Alte Menschen würden sagen: Da bleibt dir die Spucke weg. Und dabei gehts nicht um Spucke oder Sie, liebe Leserinnen und Leser, oder mich oder Stefan George, sondern um uns alle. Um uns im [...]

‚Der neunzigste Geburtstag‘ von Günter de Bruyn

Wittenhagen, ein verschlafenes Nest (n)irgendwo in Brandenburg. Mit Anger, altem Gutshof, einer Dorfkirche und ohne junge Menschen. Es ist ein Dorf, wie man sich ein Dorf vorstellt. Wo vieles, über alle Zeiten hinweg, gleich blieb. Fortschritt wird zwar begrüßt, ist vielen aber auch unheimlich. Der Möchtegern-Dorfälteste sieht es so. Seit eh und je ist Leonhard [...]

‚Collin‘ von Stefan Heym

Ost-Berlin, Hauptstadt der DDR. Letzter Halt vor Bernau mit der S-Bahn. Weit draußen also, draußen im Wald und weit weg vom Trubel der Regierungs- und Parteigeschäfte. Prof. Gerlinger, Koryphäe auf den Gebieten Herz-Kreislauf und Psychosomatik, hat des Öfteren prominente Patienten. Patienten aus dem Majakowskiring, so wie Collin – eingeliefert wegen des Verdachts auf Herzinfarkt. Ebenfalls [...]

‚Herrlichkeit‘ von Margaret Mazzantini

Die Sonne steht hoch über dem Innenhof des Palazzo. Es ist heiß in den Straßen und selbst am Fluss weht nur ein laues, heißes Lüftchen. Die ewige Stadt sucht Schatten, den Guido bereits gefunden und in sich trägt. Er, der unablässig bemüht, das Licht seiner Mutter einzufangen. Seiner schönen Mutter, die er vergöttert und seinen [...]

Achtung, Theater! – ‚Außer sich‘ von Sasha Marianna Salzmann im Maxim-Gorki-Theater

Manche Dinge müssen wehtun, um gut zu sein - müssen schmerzen, um gut zu werden: die 36 Stunden im Zug Moskau-Berlin, der Tod des Vaters, die Testosteron-Injektionen, ein Theaterabend. Es ist die Geschichte aus den jungen Leben von Alissa und Anton. Zweier Leben zwischen den Welten. Zwischen der (post-)sowjetischen und der westlich-deutschen Wirklichkeit, auf der [...]

‚Nenn mich November‘ von Kathrin Gerlof

"An einige Bäume hat er kleine rote Fäden gebunden (...) Die alten verlassenen Bahnstrecken bekommen noch einmal ihr Signalsystem. Und alles steht auf Halt" (S. 291).  Auf Halt standen nicht nur die Signale im Leben der Lindenblatts, sondern auch die Signale im Dorf. Einem Dorf inmitten endloser Maisfelder, das wüst geht, wüst gehen wird, sollten die [...]