‚Serotonin‘ von Michel Houellebecq

Westeuropäische Senioren im andalusischen Nudistencamp sind eine interessante Spezies. Ebenfalls Ärzte, die im Sprechzimmer vor ihren Patienten Zigaretten rauchen. Und Bauern, die mit Bazookas gegen den Fall der Milchquote protestieren. Wir begegnen also einem Michel Houellebecq, der philosophisch ansprechend wenig schmeichelt, ohne die eigene Komfortzone im Wesentlichen zu verlassen. Seine Diagnose ist die kollektiv depressive [...]

‚Der Apfelbaum‘ von Christian Berkel

Interrail, bevor es Interrail gab: Friedenau, Kreuzberg, wieder Friedenau, Madrid, Paris, Gurs, Leipzig, Trizonesien, Buenos Aires, West-Berlin. Wenig stringent die Route, was unter diesen Umständen nicht verwundert. Sala, die unfreiwillig Rastlose – so könnte ihr Spitzname lauten. Sala, die Heimatlose, die Getriebene ihrer Herkunft wegen. Und dabei schien an jenem Nachmittag vieles unter einem guten [...]

‚Komm in den totgesagten Park und schau‘ von André Kubiczek

Holla, die Waldfee, ist das Böse böse. So unglaublich böse - mir fehlen die Worte. Vom Bösen-Bösen gar nicht zu sprechen. Alte Menschen würden sagen: Da bleibt dir die Spucke weg. Und dabei gehts nicht um Spucke oder Sie, liebe Leserinnen und Leser, oder mich oder Stefan George, sondern um uns alle. Um uns im [...]

‚Collin‘ von Stefan Heym

Ost-Berlin, Hauptstadt der DDR. Letzter Halt vor Bernau mit der S-Bahn. Weit draußen also, draußen im Wald und weit weg vom Trubel der Regierungs- und Parteigeschäfte. Prof. Gerlinger, Koryphäe auf den Gebieten Herz-Kreislauf und Psychosomatik, hat des Öfteren prominente Patienten. Patienten aus dem Majakowskiring, so wie Collin – eingeliefert wegen des Verdachts auf Herzinfarkt. Ebenfalls [...]

Achtung, Theater! – ‚Außer sich‘ von Sasha Marianna Salzmann im Maxim-Gorki-Theater

Manche Dinge müssen wehtun, um gut zu sein - müssen schmerzen, um gut zu werden: die 36 Stunden im Zug Moskau-Berlin, der Tod des Vaters, die Testosteron-Injektionen, ein Theaterabend. Es ist die Geschichte aus den jungen Leben von Alissa und Anton. Zweier Leben zwischen den Welten. Zwischen der (post-)sowjetischen und der westlich-deutschen Wirklichkeit, auf der [...]

‚Munin oder Chaos im Kopf‘ von Monika Maron

Elisabethkirchstraße? Schröderstraße? Jedenfalls dort in Mitte-Mitte, wo die DDR Altbausubstanz nicht durch WBS 70 ersetzte. Wo sich nur selten Touristen hin verirren, um ihre Leihfahrräder im Gebüsch zu parken. Wo alle jene Bewohnerinnen und Bewohner der Straße, von denen Monika Maron spricht, bereits zum zweiten Mal weg gentrifiziert wurden und in Staaken, 1. OG, Nordbalkon [...]