‚Komm in den totgesagten Park und schau‘ von André Kubiczek

Holla, die Waldfee, ist das Böse böse. So unglaublich böse - mir fehlen die Worte. Vom Bösen-Bösen gar nicht zu sprechen. Alte Menschen würden sagen: Da bleibt dir die Spucke weg. Und dabei gehts nicht um Spucke oder Sie, liebe Leserinnen und Leser, oder mich oder Stefan George, sondern um uns alle. Um uns im [...]

‚Der neunzigste Geburtstag‘ von Günter de Bruyn

Wittenhagen, ein verschlafenes Nest (n)irgendwo in Brandenburg. Mit Anger, altem Gutshof, einer Dorfkirche und ohne junge Menschen. Es ist ein Dorf, wie man sich ein Dorf vorstellt. Wo vieles, über alle Zeiten hinweg, gleich blieb. Fortschritt wird zwar begrüßt, ist vielen aber auch unheimlich. Der Möchtegern-Dorfälteste sieht es so. Seit eh und je ist Leonhard [...]

‚Herrlichkeit‘ von Margaret Mazzantini

Die Sonne steht hoch über dem Innenhof des Palazzo. Es ist heiß in den Straßen und selbst am Fluss weht nur ein laues, heißes Lüftchen. Die ewige Stadt sucht Schatten, den Guido bereits gefunden und in sich trägt. Er, der unablässig bemüht, das Licht seiner Mutter einzufangen. Seiner schönen Mutter, die er vergöttert und seinen [...]

‚Nenn mich November‘ von Kathrin Gerlof

"An einige Bäume hat er kleine rote Fäden gebunden (...) Die alten verlassenen Bahnstrecken bekommen noch einmal ihr Signalsystem. Und alles steht auf Halt" (S. 291).  Auf Halt standen nicht nur die Signale im Leben der Lindenblatts, sondern auch die Signale im Dorf. Einem Dorf inmitten endloser Maisfelder, das wüst geht, wüst gehen wird, sollten die [...]

‚Neujahr‘ von Juli Zeh

"Rolf und Marlies sprechen immer so laut ins Telefon, als müssen sie die Entfernung mit bloßer Kraft ihrer Stimmen überbrücken. Häufig sitzen sie zu zweit vor dem Handy, bei eingeschalteter Lautsprecherfunktion, mit dem Enthusiasmus von Spätanwendern, die wenigstens ein Geheimnis ihres Smartphones gelüftet haben. Sie benutzen auch eine gemeinsame E-Mail-Adresse, RoMa4952@web.de, und sind stolz darauf, [...]