‚Der Apfelbaum‘ von Christian Berkel

Interrail, bevor es Interrail gab: Friedenau, Kreuzberg, wieder Friedenau, Madrid, Paris, Gurs, Leipzig, Trizonesien, Buenos Aires, West-Berlin. Wenig stringent die Route, was unter diesen Umständen nicht verwundert. Sala, die unfreiwillig Rastlose – so könnte ihr Spitzname lauten. Sala, die Heimatlose, die Getriebene ihrer Herkunft wegen. Und dabei schien an jenem Nachmittag vieles unter einem guten [...]

‚Komm in den totgesagten Park und schau‘ von André Kubiczek

Holla, die Waldfee, ist das Böse böse. So unglaublich böse - mir fehlen die Worte. Vom Bösen-Bösen gar nicht zu sprechen. Alte Menschen würden sagen: Da bleibt dir die Spucke weg. Und dabei gehts nicht um Spucke oder Sie, liebe Leserinnen und Leser, oder mich oder Stefan George, sondern um uns alle. Um uns im [...]

‚Collin‘ von Stefan Heym

Ost-Berlin, Hauptstadt der DDR. Letzter Halt vor Bernau mit der S-Bahn. Weit draußen also, draußen im Wald und weit weg vom Trubel der Regierungs- und Parteigeschäfte. Prof. Gerlinger, Koryphäe auf den Gebieten Herz-Kreislauf und Psychosomatik, hat des Öfteren prominente Patienten. Patienten aus dem Majakowskiring, so wie Collin – eingeliefert wegen des Verdachts auf Herzinfarkt. Ebenfalls [...]

‚Nenn mich November‘ von Kathrin Gerlof

"An einige Bäume hat er kleine rote Fäden gebunden (...) Die alten verlassenen Bahnstrecken bekommen noch einmal ihr Signalsystem. Und alles steht auf Halt" (S. 291).  Auf Halt standen nicht nur die Signale im Leben der Lindenblatts, sondern auch die Signale im Dorf. Einem Dorf inmitten endloser Maisfelder, das wüst geht, wüst gehen wird, sollten die [...]

‚Die Gleichung des Lebens‘ von Norman Ohler

Mangrovenwälder, Sümpfe, fischreiche Seen und zahllose Flüsse, mannigfaltige Arten in unendlicher Weite - nicht etwa in Südostasien, sondern zwischen Lewin, Wriezen und Bad Freienwalde. Wir schreiben das Jahr des Herrn 1747. Gottesfürchtig beten die Brücher zu den Geistern und Ahnen im Fluss. Sie beten um eine schwache Flut und gute Fänge. Seit Äonen leben sie [...]

‚Munin oder Chaos im Kopf‘ von Monika Maron

Elisabethkirchstraße? Schröderstraße? Jedenfalls dort in Mitte-Mitte, wo die DDR Altbausubstanz nicht durch WBS 70 ersetzte. Wo sich nur selten Touristen hin verirren, um ihre Leihfahrräder im Gebüsch zu parken. Wo alle jene Bewohnerinnen und Bewohner der Straße, von denen Monika Maron spricht, bereits zum zweiten Mal weg gentrifiziert wurden und in Staaken, 1. OG, Nordbalkon [...]

‚Leb wohl, Berlin‘ von Christopher Isherwood

Die Ähnlichkeit des heutigen Berlin mit der Stadt der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre ist geradezu frappierend. Die Halbwelt, wie Christopher Isherwood es nennt, ist in vielen Subkulturen ebenso zu Hause, wie die arrivierte Mittelschicht aus Politik und Verwaltung. Die Clublandschaft in Friedrichshain und Neukölln befand sich vor 80 Jahren in Charlottenburg und Schöneberg. Man [...]