‚Arznei gegen die Sterblichkeit‘ von Christoph Ransmayr

Es war kurz vor Weihnachten. Dem Kauf dieses Büchleins ging ein Gespräch über die Literatur des Jahres 2019 mit meiner Buchhändlerin voraus. Für die Feiertage und den Urlaub nahm ich mir Jens Bisky und Daniela Krien vor. Als alle Bücher an der Kasse deponiert und für den Kauf vorbereitet wurden, empfahl mir die Buchhändlerin ‚Arznei gegen die Sterblichkeit‘ von Christoph Ransmayr. Bis dato hatte ich nie ein Buch des Autors gelesen. Um ehrlich zu sein, waren mir sein Name und sein Schaffen völlig unbekannt. Sinngemäß gesellten sich sparsame 62 Seiten zu den rund 3000 weiteren mit den Worten in meine Tasche: „Wenn Sie in schöner Sprache Bedeutendes lesen möchten, dann lesen Sie das.“ Und es war gut!

‚Arznei gegen die Sterblichkeit‘ sind ‚Drei Geschichten zum Dank‘. Dank deshalb, weil Ransmayr sie als Reden auf Preisverleihungen hielt. Umso schöner, sie nun gebunden zusammen zu lesen. Denn seine Reden sind darüber hinaus eben dies: Geschichten. Es sind drei Geschichten, die sich selbst zum Inhalt haben. Ransmayr ist ein wunderbarer Erzähler, der Zuhörer und Leser sprachlos macht. Seine drei Geschichten zum Dank sind Metaphysik, sind althergebrachte, fesselnde Urkraft des Erzählens und Zuhörens.

Ransmayr spricht über den Wert der Literatur und nimmt taktvoll kein Blatt vor den Mund. Er spricht über seinen Vater und Gerechtigkeit, über die europäische Kultur und ihre historische Blutspur weltweit, über sein eigenes Fußballtalent als Junge in einem österreichischen Dorf. Und das, wovon er spricht, ist in der Tat das, was meine Buchhändlerin versprach: Es ist bedeutend.

Ransmayrs Sprache ist nicht sparsam. Sie ist das Gegenteil. Ihre Farbe ist warm und ihre Worte sind bunt. Der Umfang seiner Arznei hingegen überaus kompakt, überaus wirkungsvoll. Keineswegs stehen deshalb Form und Inhalt im Widerspruch. ‚Arznei gegen die Sterblichkeit – Drei Geschichten zum Dank‘ sind herrliche Parabeln. Manches verstört, manches verwundert, aber alles bewegt. Bewegt Geist und Herz und bereitet großes, wirklich großes Vergnügen. Denn eins hilft immer: Lesen. Und Zuhören.

  • Gelesen im Januar 2020
  • Ganz herzlichen Dank für die ausgezeichnete Empfehlung in der Buchkantine, Dortmunder Straße 1 in Moabit.

Eine Antwort auf „‚Arznei gegen die Sterblichkeit‘ von Christoph Ransmayr

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s