‚Sommerdiebe‘ von Truman Capote

Es ist der erste große Sommer in New York, den Grady allein in der Stadt verbringen wird. Wie jedes Jahr reisen die Eltern nach Europa aufs Land. Sommerfrische in der alten Welt kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Grady ist 17, beinahe 18 und will großes. Sie will alles vom Leben und nimmt sich die Dinge, die ihr als Mädchen der Upper East Side zufliegen, einfach zustehen. Natürlich geht sie aus und willigt nur widerspenstig in irgendwelche Debütantinnenbälle ein. Doch einmal muss sie. Wenn das Preis der Freiheit ist – Clyde weiß von dem Schlamassel nichts. Aber Clyde, ein Arbeiterjunge aus Brooklyn, weiß mit seiner rauen, rohen Art, Grady in seinen Bann zu ziehen. Natürlich verliebt sie sich. Natürlich führt sie ihn in ihr Leben ein und umgekehrt. Unsicher, die ersten Schritte in der großen Stadt ohne die Eltern. Aber immerhin. Es ist der erste Sommer in New York. Heiß ist er. Ob sich Grady die Finger verbrennt?

Was für ein großes Glück, dass 2004 ein Pappkarton bei Sotherby’s zur Versteigerung stand. Inhalt des Kartons war das 1943 begonnene Manuskript von ‚Sommerdiebe‘, dem ersten Roman Truman Capotes. Capote hat auf schmalen 139 Seiten einen Roman verfasst, der das jugendliche Lebensgefühl einer Generation und einer Stadt lebendig einfängt. ‚Sommerdiebe‘ ist die Geschichte von Grady McNeil, der jüngsten Tochter eines reichen Bankers am Sehnsuchtsort der Vielen. Grady erlebt großes Vergnügen, Tölpeleien und ganz dumme Dinge, die man so tut mit 17, 18 und Papas dickem Geldbeutel.

In einer wunderbaren Übersetzung von Heidi Zerning nimmt Capote seine Lesenden mit in die Häuserschluchten New Yorks. Der Sommer in den Hamptons, wilde Parties zwischen Central Park und Downtown, der Besuch einer anderen, ganz anderen Welt in Brooklyn. ‚Sommerdiebe‘ ist kein gestohlener Sommer, sondern großer Literaturgenuss auf die leichte Art. Sechs Kapitel, die als Miniaturen ein bezauberndes Puzzle ergeben, sind mehr als ein Sommerroman. Denn ‚Sommerdiebe‘ ist Zeitgeist, Wohlstand, jugendliche Rebellion und die perfekte Unterhaltung für weite Strände und Wintertage am Kamin.

Mein Fazit: Nicht nur für Freund:innen von Coming-of-Age-Literatur ist dieser Roman ein Eisbecher im Abendrot. Unbedingt lesen.

  • Gelesen im Juni 2021
  • Herzlichen Dank, lieber Frank, für deine großartige Empfehlung beim Sonntagsfrühstück.

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