‚Die Optimisten‘ von Rebecca Makkai

In einer Zeit, als die Menschen noch arbeiteten und nicht alle etwas mit Kunst machen, lebt Yale. Nichtsdestotrotz arbeitet Yale an der Northwestern University und ist mit der Aufgabe betraut, die neu gegründete Galerie mit Werken zu füllen. Fiona, die Schwester des verstorbenen Freundes eines Freundes, der auch bald sterben wird, gibt einen exzellenten Tipp. Den Tipp, dass Nora Yale, der Galerie und der Northwestern schöne Kunst aus dem schönen Paris mit der schönen Nora als Schenkung der Galerie überhelfen möchte.

Zeiten- und Szenenwechsel: Alle, nein, nicht alle, aber viele sind tot. Lang lebe die Familie. Lang lebe der Sündenpfuhl Paris. Fiona, 30 Jahre später, reist nach Paris, um ihre verlorene Tochter zu finden. Ihre Reise wird hektisch und oszilliert zwischen Noras Paris, dem Paris der verblichenen Bohème und dem Heute und Hier. Dazwischen lächelt Richard, einer der wenigen Überlebenden aus dem Kreise der schönen Jungen aus Boystown, Chicago, 1985. Richard wurde Starfotograf, Weltstar und guter Freund in Paris.

Viele Namen, viele Männer, sehr viele sogar in zwei Handlungssträngen verdichtet, die verknüpft, verwoben, verknotet sind. ‚Die Optimisten‘ hat seinen dramaturgischen Ursprung in Chicago 1985. Aids hat die Schwulenszene erfasst und wie Dominosteine fallen Nico, Julian, Terrence und viele, viele andere der Krankheit zum Opfer. Fiona ist Katalysatorin einer Handlung, die im ersten Strang die Leben der Freude und Wahlfamilie ihres Bruders verhandelt. Im Mittelpunkt die queere Szene, Sex, Liebe, Aids und Hoffnung. Die Hoffnung stirbt zuletzt? Die Hoffnung stirbt zuletzt, denn sonst kein zweitre Plot in Paris 2015. 2015 positioniert die Autorin Rebecca Makkai Fiona als suchende Mutter im Zentrum: Auf der Suche nach Ihrer Tochter, ihrer Familie, ihrer Vergangenheit als unverwüstliche Optimistin.

‚Die Optimisten‘ ist ein Roman im Stil amerikanischer Gesellschaftsromane, am Rande eben dieser Gesellschaft. Rebecca Makkai lässt schwule Männer im besten Alter aus ihrem Leben erzählen, was gut unterhält und witzig geschrieben ist, dennoch zu viele Längen hat. Ob es Fionas Tripp zur Selbstfindung nach Paris wirklich braucht? Ich weiß es nicht. Über 600 Seiten sind 200 zu viel – kill your darlings, Schätzen. Das hätte dem Text gutgetan, ebenso der Handlung. Mein Fazit also: ‚Die Optimisten‘ ist Lektüre für sonnige Novembertage, die man mit Häkeln und Tee verbringt. Zwar werden die Vorschusslorbeeren nach hinten raus nicht eingelöst. Wer gerade zu viel Zeit im Homeoffice hat, macht mit einer Zeitreise in the windy city wenig verkehrt.

„[Denn] um sie herum eine Stille so groß wie die Stadt. Dann fing der Film wieder von vorne an. Da standen sie alle, das Bistro war unversehrt. Junge Männer mit den Händen in den Hosentaschen, die darauf warteten, dass alles begann“ (S. 615).

  • Gelesen im Februar 2021
  • Zufallsfund in der Buchhandlung Geistesblüten, Walter-Benjamin-Platz 2 in Charlottenburg. Herzlichen Dank an Fabian für die prima Begleitung zur Ausstellung ‚Loving‚.

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