‚Geschehnisse während der Weltmeisterschaft‘ von Helmut Krausser

„Ich griff zum Kopfhörer und träufelte ein Bruckner-Adagio auf mein entzündetes Gehirn“ (S. 95). Dito! Sofern Ihnen der Name Bruckner noch geläufig ist, lassen Sie die Finger von diesem Buch. Das ist kein Roman, geschweige Literatur. Es ist Schund! Ein profaner Versuch anti-moralisierender Zukunftsprognose im sportlichen Sinne, der scheitert.

Die ‚Geschehnisse während der Weltmeisterschaft‘ sind ein Tiefpunkt – inhaltlich, sprachlich, stilistisch. Auf 240 Seiten soll erzählt werden, weshalb sich Sex als Leistungssport etabliert. Bereits der Versuch einer Erklärung misslingt. Hölzerne Charaktere, die larmoyant in einer polarisierten Welt unter Terrorangst Leistungssex praktizieren, langweilen nicht nur. Sie beleidigen intellektuell. Banale Dialoge – zu naiv, um schlechter Scherz zu sein. Ein Stoff bisweilen, der anwidert. Nicht nur tagsüber ist im Toms mehr Haute Culture.

Helmut Krausser hat mit seiner humorvollen Trinker-Trilogie Großes geschrieben. Feine Gesellschaftsbeobachtungen im München der 80er Jahre, die Spaß machen. Insbesondere seit ‚Nicht ganz schlechte Menschen‘ rangiert Krausser weit oben in meiner Shortlist. Doch spätestens auf Seite 97 verweist er sich selbst in die Kreisklasse. Elke Heidenreichs goldene 100-Seiten-Regel kommt bei mir selten zur Anwendung. Hier war sie Gebot und Lichtblick gleichermaßen.

  • Gelesen im Dezember 2018
  • Nach gezielter Recherche und Vorfreude alles Andere als eine Empfehlung.

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