‚Gespräche mit Freunden‘ von Sally Rooney

„Nachdem er aufgegessen hatte, machte ich Wasser heiß und schüttete es in die Spüle, gab Spülmittel dazu, das nach Zitrone roch“ (S. 68).

„Bobbi trug ein enges, bauchfreies T-Shirt und schwarze Jeans zu der Party. Ich trug ein Sommerkleid mit winzigen, tüfteligen Trägerchen“ (S. 69).

Heißes Spülwasser also und bauchfreie Shirts – Spülmittel, das nach Zitrone roch und Trägerchen auf schmalen Schultern. Warum ich das schreibe? Weil die Gespräche mit Freunden inhaltlich und sprachlich ebenso schmal wie banal sind. Oder wie The Times im Klappentext zitiert wird: Bonjour Tristesse im heutigen Dublin. Und damit sind nicht Françoise Sagans Roman und Otto Premingers Film gemeint.

Sally Rooney lässt eine junge Frau – Frances – aus ihrem Leben berichten. Frances schreibt und will schreiben und bewundert andere Menschen, die schreiben. Ihre (Ex)-Freundin Bobbi schreibt ebenfalls. Sie treten bei Lesungen auf und stolpern in Melissas und Nicks Arme. Geradezu amerikanisch lädt man sich ein, bespricht das Leben im Allgemeinen und Speziellen und die geneigte Leserschaft bekommt auf silbernem Tablett serviert, dass zwei junge, lesbische Frauen etwa ab Seite 80 mit Melissa und Nick etwas anfangen werden. Was völlig okay ist. Nur leider versucht Rooney, das silberne Tablett wie eine Hintertür aussehen zu lassen. Dieser und weitere klug gemeinte Versuche sind hölzern, langweilen und das auch noch durch jugendliche Belanglosigkeit. Ich finde das schade und gleichermaßen bedauerlich. Bedauerlich, weil zu viel gesagt wird. Alles vorgekaut, ohne tatsächlich zum Grund, zur Persönlichkeit der Ich-Erzählerin vorzustoßen.

‚Gespräche mit Freunden‘ sind 379 Seiten Roman, der so recht nicht passen will. In kein Genre und keine Ecke im Regal. Irgendwie nasskalt und düster, wie Irland im Herbst. Als Jugendroman zu erwachsen und für meinen Geschmack zu naiv. Auf Seite 68 hatte ich genug der Gespräche und beschloss, nachdem ich aufgegessen hatte, heißes Wasser einzulassen und Spülmittel dazu zu geben, das zwar nicht nach Zitrone roch, aber Platz macht für Neues.

  • Gelesen im Oktober 2019
  • Ich danke dem Luchterhand Literaturverlang für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

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